Was? Sie spielen Golf? – Süddeutsche Zeitung Artikel

Mein Sport ist angeblich elitär, das höre ich neuerdings wieder öfter. Was für ein Unsinn. Golf ist wie das Leben, nur schöner. Versuchen Sie es selbst!

Was? Sie spielen Golf? – Neuerdings kommt diese Frage in Deutschland ja wieder mit diesem bedrohlichen Unterton, den die Älteren von uns noch aus den 70er-Jahren des
letzten Jahrhunderts kennen, als sie ihre Golftasche hinter dem Autorücksitz verstecken mussten, weil sie sonst nicht mit den Kommilitonen aus dem Politikseminar in den Roten Punkt gedurft hätten.

Seitdem Finanzkrise ist, wird dieses Was-Sie-spielen-Golf auch nicht mehr nur entweder auf dem „Sie“ betont oder auf dem „Golf“, sondern leicht hysterisch doppelt und gerne mit hochgezogener Augenbraue. Was? SIE spielen GOLF? Das klingt dann wie: hätte ich jetzt aber von Ihnen nicht gedacht. Sie sind doch so eine sympathische, engagierte Journalistin. Als würde man Steuern hinterziehen und Millionenboni kassieren.

Es gibt in der Spätphase der Erregungsdemokratie Beschäftigungen, für Was? Sie spielen Golf? golfspielen Mein Sport ist angeblich elitär, das höre ich neuerdings wieder öfter. Was für ein Unsinn. Golf ist wie das Leben, nur schöner. Versuchen Sie es selbst! Von Evelyn Roll die muss man sich in diesem Land nicht rechtfertigen. „Ich arbeite“, zum Beispiel. Geht immer. Entschuldigt alles. „Ich kümmere mich um meine Kinder.“ Geht auch. „Ich bin ehrenamtlich für Amnesty Inter – national unterwegs oder bei Attac.“ Bitte. Gerne. Wunderbar.

Aber: „Ich kümmere mich um mich“? Ist schon schwieriger. Außer bei Yoga, Laufen, Schwimmen, Muckibude und was alles sonst noch als Selbstoptimierungsprojekt für berufliche Höchstleistungen gesellschaftlich anerkannt und erwünscht ist. „Ich habe Spaß“? Ist ganz heikel. „Ich spiele Golf“? Geht gar nicht. Zurück zu den alten Vorurteilen.

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